Heimisches Bahngeschehen

21.03.2020

Hönnetalbahn stellt den Betrieb ein

Die RB 54 "Hönnetalbahn" stellt seit dem 20.03.2020 den Betrieb ein. Damit verkehren keine Züge mehr zwischen Unna und Menden und Fröndenberg und Neuenrade. Grund ist der Corona-Virus, der das öffentliche Leben zum Teil lahm gelegt hat. Da auch die Schulen geschlossen haben, ist die Fahrgastanzahl in den Zügen sehr gering. Das Land NRW hat jetzt einen "Notfahrplan" erstellt. Es geht auch darum die Mitarbeiter der Eisenbahnunternehmen zu schützen, und auch das Personal strategisch einzusetzen. Heißt kein Personal mehr für die Hönnetalbahn, dafür ausreichend Personal für andere Strecken.

Aber trotzdem bleibt der ÖPNV dem Hönnetal erhalten. Statt der Bahn fährt jetzt der Bus. Und zwar durchgehend von Unna bis Neuenrade. Und dies im Stundentakt ähnlich dem Bahnfahrplan. Nur am Abend gibt es Einschränkungen.

Sicherlich passen jetzt nicht mehr überall die Anschlüsse, aber es gibt Verkehr. Auch auf andere Bahnlinien im Land ist der Verkehr eingeschränkt. Diese Maßnahmen gelten erstmal bis zum Sonntag 19. April 2020.

Wir von den Eisenbahnfreunden Hönnetal e.V. begrüßen in dieser Situation sehr den guten Ersatzverkehr mit Bussen. Ein Stundentakt ist gewährleistet, sodass die Mobilität auch in diesen Zeiten u.a. für Pendler gewährleistet ist.

Hoffen wir aber darauf, dass die Zeiten bald wieder besser werden und wieder Züge im Hönnetal verkehren.

Hier der Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Unna und Neuenrade (pdf-Datei) :

Datei „mdb_308780_rb_54_sev_grundfahrplan_2020-08.pdf“

 

Infos zum Sonderfahrplan für alle anderen Bahnlinien in NRW gibt es hier :

https://www.mobil.nrw/ 

 

 

08.03.2020

PESA-Fahrzeuge : Die nächsten Probleme - Nach der versprochenen Ausbesserung müssen Fahrzeuge zur nächsten Reparatur. Fahrgastzahlen gehen zurück. Hönnetalbahn weniger davon betroffen, aber die Linien RE 17 und RE 57 der Oberen Ruhrtalbahn

Es wird einfach nicht besser mit den Pesa-Zügen auf den Bahnstrecken. Im Gegenteil: Die Ausbesserungsarbeiten beim polnischen Hersteller über den Winter haben nur neue Probleme hervorgebracht. Die Pesa-Züge müssen demnach zu einer weiteren Überholung nach Polen. Im Mescheder Kreishaus hagelte es Kritik.

„Wenn Sie mit einem Pesa-Zug fahren, wissen Sie nicht, ob Sie damit tatsächlich ankommen“, sagte Thomas Ressel, Leiter der Abteilung Planung beim Nahverkehr Westfalen-Lippe in einer Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Struktur und Tourismus des Hochsauerlandkreises in Meschede. Sein NWL hat einen regulär bis zum Jahr 2028 geltenden Verkehrsvertrag mit der Deutschen Bahn: Die Bahn muss demnach die Beförderung der Fahrgäste sicherstellen - eigentlich mit den Pesa-Zügen.

Ressel nennt die bislang erbrachten Leistungen „ein unrühmliches Kapitel“: Die Pünktlichkeit sei „nicht zufriedenstellend“, die Ausfallquote „grottig schlecht“. Pesa schramme „haarscharf an der Insolvenz vorbei“ und „lebe nur vom Geld der Deutschen Bahn“: „Da ist ein Partner zwangsbeatmet worden.“

Wie jetzt bekannt wird: Die so genannte „Rollkur“ der Pesa-Züge über den Herbst und Winter hinweg hat keine Lösung gebracht. Nach den massiven technischen Problemen mit den Pesa-Zügen seien die Züge zur Aufbereitung zurück nach Polen gegangen – das war die von Bahn und Pesa angekündigte so genannte „Rollkur“. Wie Ressel jetzt sagt: „Wenn das eine Problem gelöst ist, kommt das nächste“ – Züge, die in der Zwischenzeit in Polen waren, mussten demnach erneut zurück ins Herstellerwerk, um die nächsten Probleme zu beseitigen. „Unterm Strich laufen die Fahrzeuge nicht wirklich besser“, so Ressel.

Im Sauerlandnetz müssen deshalb wieder gebrauchte Ersatzfahrzeuge eingesetzt werden – obwohl der Zugverkehr doch moderner werden sollte: „Das ist unerträglich.“ Die Kreisverwaltung des HSK spricht von „altersbedingten Mängeln“, die sich auf Komfort und den Fahrplan auswirkten: Sie nennt beispielhaft den 23. Februar, als im östlichen Abschnitt der Oberen Ruhrtalbahn mehrere Stunden lang Fahrten ausfielen, weil ein alter Zug versagte.

Zumal: Nicht jeder Lokführer hat für jeden Fahrzeugtyp und für jede Strecke automatisch auch eine Fahrberechtigung – deshalb fallen Fahrten auch aus.

Das hat unmittelbare Folgen: Auf den Strecken RE 17 und RE 57 gingen in den Jahren 2016 bis 2018 400.000 Fahrgäste verloren – obwohl eigentlich mehr Menschen auf die Bahn umsteigen sollen.

Die Einnahmen stagnieren, in der Prognose geht Ressel von sinkenden Einnahmen aus. Der Spielraum, um zum Beispiel günstigere Tickets anbieten zu können, sinkt damit ebenfalls.

Jetzt wird juristisch geprüft, was machbar ist, kündigte Ressel an. Der NWL hat intern eine eigene Taskforce eingesetzt, um nach Lösungen zu suchen – bis hin zu der Frage, wie Bahnreisende schneller an ihre Erstattungsformulare kommen, wenn ihr Zug nicht fahre oder verspätet sei.

Seine bildhafte Umschreibung vom Verhältnis zu Pesa: „Wir sind in der Wüste mit einem Pferd, was tot ist, und schleppen den Sattel mit. Wir haben die ganze Zeit versucht, das Pferd noch zu tränken und zu füttern. Wir konnten nur noch nicht feststellen: Ist das Pferd wirklich tot? Das müssen Juristen klären. So eine Situation hatten wir noch nie.“ Der NWL ist bereits bundesweit auf der Suche nach möglichen Ersatzfahrzeugen, die im Sauerlandnetz alternativ zum Einsatz kommen könnten.

Auch Dr. Klaus Drathen, Kreisdirektor des Hochsauerlandkreises, spricht von einem „Bild des Elends“. Ihn erreichen die Probleme über viele andere Stellen, sagte er: Über den Tourismus kämen Beschwerden von Bahnreisenden an, selbst ein Arbeitskreis zum Ruhrtalradweg kritisiere Zugausfälle auf der Strecke zwischen Dortmund und Winterberg.

Kritik von der CDU kam unter anderem auf, weil die Bahn offenbar bei ihrer europaweiten Ausschreibung nicht die Leistungsfähigkeit von Pesa ausreichend geprüft habe. Quelle : www.wp.de

 

Positive Zwischenbilanz und erweiterte Beratungszeiten für PIA

Persönliche Beratung beim Ticketkauf am Automaten wird immer beliebter.

Persönlicher Informations-Assistent (PIA), so wird diese neue, innovative Generation von Ticketautomaten genannt. Die Automaten verfügen über zwei Bildschirme. Oberhalb des bekannten Touchscreens schaltet sich auf Wunsch per Kamera und Mikrofon live ein Berater auf den zusätzlichen Bildschirm.

Seit Dezember 2018 wird dieser zusätzliche Service an 29 westfälischen Bahnhöfen angeboten. Bis Ende 2019 wurde die persönliche Auskunft zu Tickets und Tarif mehr als 25.000 x aufgerufen. Dies entspricht knapp 600 Aufrufen pro Woche. Die nachfragestärksten Standorte waren dabei Fröndenberg, Iserlohn, Holzwickede und Lippstadt. Eine Reaktion auf die wachsende Nachfrage ist die einheitliche Zeit für den Beratungsservice ab 01.01.2020 von täglich 8:30 – 20:00 Uhr.

Und so funktioniert PIA: Nach Drücken des Rufknopfes wird der Fahrgast live mit einem Berater verbunden, den er am Bildschirm auch sehen kann. Ist der Fahrgast unsicher, wie er durch das Menü zu seinem Wunschticket kommt, kann sich der Berater auf den Automaten aufwählen und einzelne Aktionen für den Fahrgast ausführen. Echtzeitfahrplanauskünfte (inklusive aktueller Verspätungen) sind ebenso möglich wie die Beratung zu allen am Standort kaufbaren Tickets und Nahverkehrstarifen (WestfalenTarif, NRW-Tarif, Nachbartarife), nicht jedoch zum Fernverkehr der DB AG (IC, ICE). Natürlich funktioniert der Automat, wenn man die PIA-Funktion nicht nutzen möchte, wie ein ganz normaler Ticketautomat.

Der Service erfolgt völlig anonym, der Fahrgast muss keine persönlichen Daten angeben. Somit ist der Datenschutz gewährleistet. Der Service kostet nichts extra; gekaufte Fahrkarten können wie an allen Automaten des WestfalenTarifs wahlweise über Barzahlung, Kreditkarte, EC-Karte oder die NFC-Funktion von Smartphones bezahlt werden.

Das flächendeckende Angebot von PIA-Automaten in Westfalen-Lippe ist in dieser Form einmalig in Deutschland. PIA kommt u. a. an Standorten zum Einsatz, an denen die Nachfrage hoch ist, es aber kein KundenCenter bzw. keinen Fahrkartenschalter gibt. Gleichzeitig ist PIA ein Zusatzangebot an ausgewählten Bahnhöfen außerhalb der Öffnungszeiten der Agenturen und der neue innovative Reiseberater für Standorte im ländlichen Raum.

Der NWL verfolgt mit dem PIA-Angebot, wie mit dem neuen SPNV-Vertrieb insgesamt, das Ziel einer deutlich stärkeren Kundenorientierung. In den Fokus rücken die gezielte Beratung zu Nahverkehrsfragen sowie die Wahl des jeweils richtigen Tickets für Fahrten und Abos. Alle neuen „blauen“ Automaten bieten zudem Fahrplanauskünfte in Echtzeit.

Die Inanspruchnahme der Liveberatung wird über ein Forschungsprojekt der Universität Paderborn begleitet und ausgewertet, um das Angebot künftig noch attraktiver zu gestalten und näher an den Bedürfnissen der Kunden zu platzieren. Quelle : www.nwl-info.de

 

22.11.2019

Skisonderzüge nach Winterberg

Der NWL bietet in diesem Winter zum ersten Mal einen Skisonderzug von Oberhausen nach Winterberg an. Dieser verkehrt an jedem Samstag vom 21.12.2019 bis zum 07.03.2019 und an Rosenmontag. Angesprochen werden für diesen Sonderzug nicht nur Fahrgäste aus dem Ruhrgebiet, sondern sogar aus den Niederlanden, weil in Oberhausen (aus Richtung Arnheim) und in Schwerte (aus Richtung Venlo) die Anschlüsse dazu passend gelegt sind. Der Skisonderzug verkehrt auf der oberen Ruhrtalbahn von Schwerte bis Bestwig ohne Halt und kann mit Fahrkarten des Nahverkehrs benutzt werden. Laut Online Informationen soll es sich um einen lokbespannten Zug handeln. Man darf gespannt sein. Weitere Infos zum Zug gibt es auf www.nwl-info.de . Wünschen wir der Idee viele Fahrgäste und viel Schnee in Winterberg!

218 457-0 setzt am 25.01.2020 in Winterberg um. Foto : Bernd Seebach

 

19.09.2019

Nahverkehrsplan des NWL

Die Eisenbahnfreunde Hönnetal beteiligten sich mit Vorschlägen und  Anregungen an der Erstellung des Nahverkehrsplans Westfalen-Lippe.

Hierbei lag natürlich das Augenmerk bei den EFH auf die RB 54 (Hönnetalbahn). U.a. wurden Anregungen zur weiteren Pünktlichkeit der Hönnetalbahn vorgeschlagen. Auch die Sauberkeit an den Bahnhöfen soll verbessert werden. Weiterhin soll es auch einen personalisierten Verkauf von Fahrscheinen in den Orten entlang der Hönnetalbahn geben.

Entlang der RB 54 muss bei Verspätungen und Ausfällen besser über die verschiedenen Auskunftsmedien (App, Schriftanzeiger auf dem Bahnsteig) informiert werden. Außerdem soll das Zugangebot zwischen Menden und Neuenrade noch weiterhin in den Morgen- und Abendstunden verbessert werden. Auch die Modernisierung wie jetzt in Balve und Neuenrade bei den Bahnsteigen passiert ist, sollte in den nächsten Jahren auch an anderen Haltepunkten weitergeführt werden. Zumal an einigen Bahnsteigen schon jetzt mit kleinen Maßnahmen was erreicht werden könnte. Die vom Pressesprecher Johannes Schmoll verfasste Stellungnahme findet Ihr hier : Stellungnahme NVP NWL 2020.pdf

 

09.07.2019

Schützenum"ZUG" per Hönnetalbahn

Was macht ein Schützenkönig wenn er in Bösperde wohnt, und seine Königin in Neuenrade. Klar er holt sie mit der Hönnetalbahn ab. Aber dies nicht allein, sondern gleich mit einer ganzen Schützengesellschaft. So am Samstag 22.06.2019 geschehen, als Schützenkönig Philipp Wergen vom Schützenverein Holzen-Bösperde-Landwehr 1857, seine in Neuenrade lebende Königin Chantal Degenhardt abgeholt hat. Mit mehr als 100 Schützen ging es von Bösperde mit der Hönnetalbahn nach Neuenrade. Mit viel Musik marschierten dann die Schützen zum Heim von Königin Chantal. Nach flüssiger Stärkung bei Chantal ging es mit ihr zurück zum Bahnhof und mit der Hönnetalbahn nach Bösperde, wo dann das Exerzieren stattfand. Die EFH fanden die Idee von Philipp klasse und unterstützen ihn bei der Planung der Fahrt.

Pfingstverkehr

Auch in diesem Jahr wurden von NWL und DB Regio zusätzliche Fahrten anlässlich der Mendener Pfingstkirmes angeboten. Die Züge verkehrten auf der Hönnetalbahn z.T. bis in die Nacht hinein. So konnte man sich auf der Kirmes problemlos ein Bierchen mehr genehmigen.

 

05.06.2019 

Qualitätsbericht NWL: Hönnetalbahn 2018 weiterhin pünktlich unterwegs - Aber die Ausfälle sind mehr geworden

Der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) hat den Qualitätsbericht 2018 für den Bereich Westfalen-Lippe vorgelegt. Wie in den Vorjahren wurde die Qualität des Schienenverkehrs in Westfalen untersucht und veröffentlicht.

Der Bericht zeigt, dass die Hönnetalbahn weiterhin auf hohem Niveau pünktlich fährt. Nach 2016 mit 96,7 %, 2017 mit 97,7 % hat sie 2018 96,9 % Pünktlichkeit erreicht. Damit ist sie die drittpünktlichste Nahverkehrslinie in Westfalen bei den Regionalbahnlinien. Im Bereich Ruhr-Lippe sogar die pünktlichste Linie. Nur im Bereich Siegerland sind die RB 92 und 96 noch pünktlicher unterwegs, während der allgemeine Trend in Westfalen-Lippe bei der Pünktlichkeit leider zurückging.

Bei den Ausfällen gab es allerdings auf der Hönnetalbahn im Jahr 2018 Abstriche. 2,20 % der Fahrten sind nicht vorhersehbar ausgefallen. Nicht vorhersehbare Ausfälle sind z. B. fehlendes Personal, Triebfahrzeugstörungen, aber auch wetterbedingte Ausfälle wie z.B. bei Sturm. Bei den vorhersehbaren Ausfällen (u.a. Baustellen) liegt die Hönnetalbahn bei 0,48 %. Dies liegt im Rahmen. Im Normalfall werden vorhersehbare Ausfälle ja auch durch den Schienenersatzverkehr ersetzt.

Leider ging bei den RE-Linien 17 und 57 der oberen Ruhrtalbahn, die ja in Fröndenberg als Ab- und Zubringer für die Hönnetalbahn dienen, die Pünktlichkeit 2018 zu 2017 noch mal ein wenig zurück. Der RE 17 lag 2017 bei 86,9 %, 2018 sogar nur bei 82,4% der RE 57 lag 2017 bei 81,4 %,2018 in etwa gleich bei 81,1 %. Zufriedenstellend ist dies aber leider nicht.

Die neuen PESA Fahrzeuge die seit Herbst 2018 auf der Hönnetalbahn verkehren und sicherlich die letzten Monate nicht immer zuverlässig fuhren, sind insbesondere bei den Ausfällen ein Grund. Ob es in 2019 eine Kehrtwende bei Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit gibt, bleibt abzuwarten.

Im Gegensatz zu RE Linien die das Ruhrgebiet durchfahren, insbesondere auf den Hauptstrecken wo sich die Trassen mit Fernverkehrszügen geteilt werden, sind die Züge auf der Oberen Ruhrtalbahn und Hönnetalbahn deutlich pünktlicher.

Die Bahnhöfe in Westfalen wurden im Qualitätsbericht auch wieder untersucht. Es zeigt sich, dass die Bahnhöfe der Hönnetalbahn insgesamt sauber sind. Die Funktionalität der Bahnhöfe und Haltepunkte lassen aber z.B. in Volkringhausen und Balve noch zu wünschen übrig. Die Eisenbahnfreunde Hönnetal würden sich über einen realistischen Zeitraum von 5 bis 10 Jahren wünschen, dass insbesondere die Bahnsteige im Hönnetal eine einheitliche Bahnsteighöhe und einen einheitlichen Bahnsteigbelag (kein Schotter) bekommen würden.

 

10.03.2019

Verspätungen und Ausfälle auf der Hönnetalbahn. Dazu eine Stellungnahme der Eisenbahnfreunde Hönnetal e.V. durch den Pressesprecher Johannes Schmoll :

Stellungnahme zu den Problemen im „Sauerland-Netz“, also auch der Hönnetalbahn

Eisenbahnfahren ist in den letzten Monaten zu einem Glückspiel geworden. Wer momentan in NRW unterwegs ist, muss feststellen, dass die App „DB-Navigator“ überlebenswichtig geworden ist, wenn man – noch dazu pünktlich – ans Ziel kommen will. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen man einfach so zum Bahnhof gehen konnte und verlässlich seinen Zug bekam, mit dem man pünktlich am Zielort eintraf.

Es ist nicht nur ein Eindruck, sondern tagtäglich aufs Neue zu beobachten, dass es im Nah- (und Fern-) verkehr auf der Schiene in NRW – also auch im Hönnetal – alles andere als rund läuft. Irgendetwas ist immer – und seit dem letzten Herbst besonders oft. Defekte Fahrzeuge, defekte Weichen, fehlendes Personal oder manchmal gleich alles zusammen. Wenn dazu noch externe Ereignisse wie Stürme oder Personenschäden dazu kommen, ist das Chaos perfekt. Was ist da schiefgelaufen, gerade bei uns im so genannten „Sauerland-Netz“, das doch doch zwischen 2002 und 2016 so zuverlässig lief?

Es scheinen tatsächlich mehrere Faktoren zu sein, wobei einige im DB-Konzern zu suchen sind und andere eher gesellschaftlicher und/oder politischer Natur sind. Dazu zählen ein verändertes Verhältnis zum Thema Zuverlässigkeit und Risikobereitschaft. Für das Hönnetal trifft alles zu: Fangen wir mit dem neuen Fahrplan an, der von der Absicht gut, aber von der Infrastruktur her sehr ambitioniert ist. In Fröndenberg soll der Reisende aus dem oberen Hönnetal einen schnellen Anschluss Richtung Dortmund haben. Doch die kleinste Kleinigkeit gefährdet diesen Anschluss. Das hängt z.B. mit dem Umstand zusammen, dass man beim Zugang zum Bahnsteig in Menden auf die technische Sicherung des Bahnübergangs am Gleis 2 verzichtet hat (worauf man DB-seitig sogar stolz ist, das Geld dafür gespart zu haben!). In der Folge müssen alle Züge aus Neuenrade, statt direkt auf Gleis 2 einzufahren, sich durch Gleis 4 schlängeln, was nur mit verminderter Geschwindigkeit möglich ist. Das macht rund 1 – 2 entscheidende Minuten aus.

Dann das Thema Fahrzeuge. Die neuen Fahrzeuge der Bauart „PESA-Link“ können tatsächlich den neuen Fahrplan halten – wenn sie zuverlässig funktionieren. Das scheint aber de facto sehr oft nicht der Fall zu sein. Gerade die Zeit vor dem morgendlichen Betriebsbeginn muss bei den Fahrzeugen Fehlfunktionen geradezu herausfordern. Auch das notwendige Kuppeln zu einer Doppelgarnitur scheint eine Herausforderung zu sein. Die Folge: Ausfälle und Verspätungen, von denen Fahrgäste auf allen Strecken des Sauerland-Netzes gleichsam betroffen sind, ob in Neuenrade, Balve, Iserlohn oder Lüdenscheid. Diese Probleme als „Kinderkrankheiten“ der Fahrzeuge abzutun, kann nach rund 6 Monaten Einsatz im Plandienst nicht mehr so recht verfangen. Technische Lösungen müssten angesichts der Tatsache, dass die PESA-Fahrzeuge auch in anderen Bundesländern bereits länger fahren, längst gefunden sein. Und wenn nicht, wo sind Ersatzfahrzeuge?

Die lakonische Computerstimme, die als Bahnsteigdurchsage um „Entschuldigung“ bittet (sofern sie es dann macht), kommt den frustrierten Reisenden, die zu spät zur Schule oder Arbeit kommen, fast als Verhöhnung vor.

Das ist auch gleich das nächste Ärgernis. Die mangelhafte Information. Manchmal gibt die DB-App an, ob der Zug fährt und pünktlich ist, morgens aber sehr oft nicht. Und Alternativen gibt es dann oft genug auch keine. Den Fahrdienstleitern in Menden und Fröndenberg hat man ja leider längst die Möglichkeit genommen, Bahnsteigdurchsagen zu machen, so dass auch diese wichtige Informationsmöglichkeit verbaut ist. Fahrdienstleiter gehören zur DB Netz, die Reisendeninformation ist Sache von DB Station&Service.

Damit kommen wir zu einem wesentlichen strukturellen Problem, das sich auch im Thema Zugverspätungen, Zugausfällen und im Umgang damit offen zeigt. Zum einen hat man die Zuständigkeiten derart differenziert, dass an einem Problem mitunter mehrere Unternehmenstöchter der DB umständlich beteiligt sind. Man denke hier nur an das Thema der Information des Reisenden. Zum anderen scheinen aber auch innerhalb der DB-Töchter die Strukturen der Verantwortlichkeiten derart reguliert worden zu sein, dass sich der Einzelne entweder nicht mehr traut klare Entscheidungen zu treffen – oder es sogar gar nicht mehr darf.

Der berühmte „kleine Dienstweg“ konnte früher so manches Problem unbürokratisch lösen, bevor es überhaupt entstand. Das geht heute nicht mehr. Alles ist klaren, nachvollziehbaren und vor allem berechenbaren Abfolgen (Prozessen) unterworfen. Das macht in der Theorie Sinn, in der Praxis führt das aber dazu, z.B. bei einer Störung den leichtesten Weg zu wählen. Der heißt dann oft „Ausfall“. Das ist kostengünstiger!  Der Kunde muss dann eben selbst sehen, wo er bleibt. Dessen Kosten deckt theoretisch eine Mobilitätsgarantie – aber mal ehrlich. Wer nimmt die schon in Anspruch? Und die Tankrechnungen des Kunden, der dann auf den eigenen PKW umsteigen muss, den zahlt das Verkehrsunternehmen natürlich nicht!

Ach ja, da ist natürlich auch noch das Problem der Personalknappheit. Auch hier spielen betriebswirtschaftliche Fehleinschätzungen eine Rolle, wenn z.B. die Personaldecke aus Kostengründen „auf Kante“ genäht ist. Krank werden darf da keiner.

Was können wir Fahrgäste tun? Aktiv werden, d.h. beschweren und immer wieder beschweren und zwar beim zuständigen Zweckverband Ruhr-Lippe (ZRL) in Unna, der die Zugleistungen bestellt und bezahlt.

Außerdem: Die Mobilitätsgarantie, die es auch im Westfalentarif gibt, konsequent ausschöpfen! Nur über diese Hebel geht es. Wenn wir als Fahrgäste das alles kommentarlos schlucken oder erst gar nicht mehr mitfahren, zerstören wir im Extremfall das gute und ökologisch wichtiges Verkehrsmittel Hönnetalbahn – mal ganz davon abgesehen, dass das morgendliche Autofahren keinen Deut angenehmer ist.

Wir haben als Eisenbahnfreunde Hönnetal e.V. in langen Jahren im Hönnetal einen modernen Schienenpersonennahverkehr erkämpft. Der Fahrplan von heute war noch nie so gut, die Fahrzeuge modern und ansprechend. Aber was nützen Pläne, die nur auf dem Papier funktionieren, in der Praxis aber zu oft scheitern? Die Fahrgäste, egal ob Pendler, Schüler oder Freizeitreisende möchten pünktlich und zuverlässig ans Ziel gebracht werden. Mehr nicht.

Was ist neuerdings so schwer daran, genau diese einfache Leistung zu erbringen?

Johannes Schmoll

Pressesprecher